Das Detmolder Modell
Genossin Kommune
Das Detmolder Modell knüpft an die Idee des Sozialreformers Victor Aimé Huber an, der Mitte des 19. Jahrhunderts das Prinzip der Wohnungsgenossenschaft entwickelte: Menschen sollten Zugang zu bezahlbarem Wohnraum erhalten und zugleich über eine Einlage zu Miteigentümerinnen und Miteigentümern werden. Dieses genossenschaftliche Prinzip bildet bis heute die Grundlage für eine nachhaltige Wohnraumversorgung.
Warum das Modell heute wieder gebraucht wird
Viele Kommunen stehen vor der gleichen Herausforderung: Trotz hoher Nachfrage entstehen zu wenige bezahlbare Wohnungen. Private Investoren meiden Projekte mit geringer Rendite oder verlangen Mieten, die für breite Einkommensgruppen nicht mehr tragbar sind. Immer mehr Haushalte geraten dadurch ins Hintertreffen.
Aus dieser Situation heraus entstand 2016 die Idee des Detmolder Modells – entwickelt von Michael Hoppenberg und Michael Kirchner. Die zentrale Erkenntnis: Will eine Kommune dauerhaft bezahlbaren Wohnraum bereitstellen, muss sie selbst zum Bauherrn werden.
Die klassische Lösung: eine kommunale GmbH – mit vielen Nachteilen
Viele Kommunen gründeten für solche Vorhaben eine GmbH. Doch diese Rechtsform bringt erhebliche Hürden mit sich:
- hoher Aufwand für die Suche nach einer Geschäftsführung (75.000–100.000 € Jahresgehalt)
- notwendiges Stammkapital
- öffentliches Vergaberecht
- lange und teure Planungs- und Bauprozesse
Gerade angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt ist dieses Vorgehen oft zu langsam und zu teuer.
Die bessere Lösung: Die Kommune wird Genossin
Das Detmolder Modell setzt auf eine Quartiersgenossenschaft, an der die Kommune selbst beteiligt ist. Die Vorteile:
- kein Mindestkapital erforderlich
- keine Anwendung des öffentlichen Vergaberechts
- keine Geschäftsführung notwendig
- schnellere und kosteneffizientere Umsetzung
Gemeinsam mit einer öffentlich-rechtlichen Institution oder einem lokalen Kreditinstitut sowie dem Systempartner Pyramis Immobilien Entwicklungs GmbH (P.I.E.) gründet die Kommune eine Wohnungsgenossenschaft.
Die Kommune bringt ein geeignetes Grundstück ein und erhält dafür Genossenschaftsanteile. P.I.E. übernimmt Planung, Bau und Verwaltung der Immobilien. Die Finanzierung erfolgt über Kredite der Genossenschaft, die durch Mieteinnahmen getilgt werden. Gewinne sind nicht vorgesehen; Rücklagen werden vollständig in die Bestände reinvestiert.
Die städtebaulichen und wohnungspolitischen Ziele der Kommune werden in der Satzung festgeschrieben. Änderungen sind nur einstimmig möglich – ein starkes Instrument kommunaler Steuerung.
Die „Detmolder Genossinnen und Genossen“
Mieterinnen und Mieter können durch eine einmalige Einlage im unteren dreistelligen Bereich Mitglied der Genossenschaft werden. Damit erhalten sie:
- ein Mitspracherecht in der Generalversammlung
- das demokratische Kopfstimmrecht (eine Stimme pro Person)
- ein Stück Miteigentum an ihrem Zuhause
Ganz im Sinne von Victor Aimé Huber entsteht so ein stabiles, sozial ausgewogenes Quartier mit langfristig bezahlbaren Mieten.